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Das gesammelte Wissen der Homöopathie

Januar 1, 2017

Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, wacht seit 2016 über tausende Fachbücher. Zumindest steht seine Büste seitdem vor der Europäischen Bibliothek für Homöopathie (EBH) in Köthen. Sie wird vom Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärtze (DZVhÄ) betrieben, der der älteste Ärzteverein Deutschlands ist. Ihr Bestand umfasst heute Monographien, Zeitungen, Skizzen und rund 6.000 Bände.

Köthen als Ausgangspunkt

Köthen, im heutigen Sachsen-Anhalt gelegen, spielt für die deutsche und europäische Homöopathie eine zentrale Rolle. Hier wirkte Samuel Hahnemann, zuerst als Herzoglicher Leibarzt, später als Hofrat – und schuf dort die Grundlagen für die Homöopathie. Sein damaliger Wohnort in der Wallstraße 47 beherbergt heute den homöopathischen Weltärzteverband Liga Medicorum Homoeopathica Internationalis (LMHI). Dafür verlegte er seinen Sitz von Genf nach Sachsen-Anhalt.

Neuanfang und Wiedervereinigung

Die Europäische Bibliothek für Homöopathie wurde im Vorfeld der Internationalen Bauausstellung 2010 im ehemaligen Spital des Klosters der Barmherzigen Brüder eröffnet. Sie liegt in direkter Nachbarschaft zu Hahnemanns damaligem Wohnort in Köthen. In diesem Umfeld richtet die Bibliothek Veranstaltungen aus, etwa den jährlichen Internationalen Coethener Erfahrungsaustausch. In einem einzigartigen Ambiente werden Fortbildungen, Fachtagungen und der intensive wissenschaftliche Austausch gepflegt.

Seit der Wiedervereinigung ist Köthen damit wieder zu einem Zentrum für die Homöopathie herangewachsen. Gänzlich in Vergessenheit gerät damit die düstere Vergangenheit in der DDR. Jahrzehntelang wurde die Homöopathie im real existierenden Sozialismus in die esoterische Ecke gedrängt. Dennoch gab es eine große Nachfrage in der DDR-Bevölkerung und eine große Zahl von Ärzten, die homöopathisch behandelten.

Homöopathische Bibliothek Hamburg

In Westdeutschland verlief das Kapitel homöopathisches Wissen und Forschung völlig anders. Bereits seit 1955 steht die Homöopathische Bibliothek Hamburg (Wolfgang-Schweitzer-Bibliothek) der Öffentlichkeit zur Verfügung. Und sie steht nicht irgendwo, sondern direkt im Lichthof der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky. Der bekannte Schriftsteller und Pazifist war Namensgeber dieser Bibliothek, die auch in der Verantwortung des DZVhÄ steht.

Und wie entstand angesichts der Teilung der Homöopathie in Ost und West die verhältnismäßig junge anhaltinische Bibliothek? Der homöopathische Ärzteverband DZVhÄ hatte ganz bewusst einen zweiten Standort in Köthen gewählt. So verließen 2009 unzählige Bände und Zeitschriften die Hansestadt Hamburg auf dem Seeweg, um in Magdeburg umgeladen zu werden. Im Gepäck befand sich materiell der historische Buchbestand der DZVhÄ Bibliothek Hamburg. Ideell wurde die Erfahrung von 200 Jahren homöopathischer Praxis auf Reisen geschickt.

Heute sind beide Bibliotheken unter dem Dach des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) vereint. Damit will der DZVhÄ als ärztlicher Berufsverband nicht nur das eigene Wissen sichern. Durch Digitalisierung und Vernetzung wird der gesammelte Erfahrungsschatz auch der interessierten Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Grenzen kennt die deutsche und europäische Homöopathie heute bekanntlich nicht mehr.

Mit einem Klick gelangen Sie zur Homepage der homöopathischen Bibliotheken.

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