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Der Weg des homöopathischen Arzneimittels

April 10, 2018

Von der Pflanze bis zum fertigen Präparat

 

Homöopathische Arzneimittel regen sanft die Selbstheilungskräfte an und werden von Menschen jeden Alters aufgrund ihrer guten Verträglichkeit geschätzt. Homöopathie leitet sich aus dem Griechischen ab: homoios bedeutet ähnlich und pathos ist das Leiden. Homöopathie heißt also “ähnliches Leiden”.

Die Grundlagen

Auf dem Weg zur Entwicklung der Homöopathie untersuchte der Arzt
Dr. Samuel Hahnemann (1755-1843) systematisch die Wirkung von verschiedenen Substanzen am gesunden Menschen. Er notierte akribisch alle körperlichen und seelischen Veränderungen und formulierte dafür 1790 erstmals den Begriff “homöopathische Arzneimittelprüfung”.

Die in der Arzneimittelprüfung am Gesunden festgestellten Symptome bilden zusammen mit toxikologischen Erkenntnissen und Erfahrungswerten aus der Praxis die Grundlage für das sog. Arzneimittelbild eines homöopathischen Mittels und damit die Auswahl des richtigen Mittels beim Kranken. Diese erfolgt nach der Ähnlichkeitsregel, welche besagt, dass eine Substanz, die beim Gesunden bestimmte Symptome auslöst, bei diesen Symptomen im Krankheitsfall eingesetzt werden kann.

Abhängig von der Löslichkeit der jeweiligen Ausgangssubstanz dienen die sogenannte Urtinktur oder die Verreibung (Trituration) als Basis für die Herstellung homöopathischer Arzneimittel. Bei festen und unlöslichen Substanzen werden zunächst Verreibungen hergestellt. Sie werden mit Milchzucker (Lactose) durchgeführt.

Aus Pflanzen und löslichen Materialien gewinnt man die Urtinkturen und Lösungen. Diese werden schrittweise mit einem Ethanol-Wasser-Gemisch zu sogenannten Dilutionen verdünnt. Die Angaben wie D1, D12, C30 oder LM3 auf den homöopathischen Mitteln zeigen die Potenz, d. h. die Zahl der durchgeführten Potenzierungsschritte und den jeweiligen Verdünnungsfaktor an.

Zur Selbstbehandlung geeignet

Homöopathie kann sowohl bei akuten Beschwerden wie auch bei chronischen Problemen helfen, die sich bereits über einen längeren Zeitraum hinziehen. Neben der Verschreibung durch Ärzte und Heilpraktiker werden homöopathische Arzneimittel vor allem im Rahmen der Selbstmedikation von den Patienten selbst eingesetzt. Dazu gibt es die homöopathischen Arzneimittel in verschiedenen Wirkstoffkonzentrationen. Hier werden hauptsächlich niedrige Potenzen wie D6 eingesetzt. In der ärztlichen Homöopathie bzw. durch einen Heilpraktiker werden Hochpotenzen wie z. B. C30 oder C200 eingesetzt. In beiden Fällen haben die homöopathischen Arzneimittel keine direkt pharmakologische Wirkung, sondern regulieren die körpereignen Heilkräfte. Damit wirken sie nicht nur auf die Symptome, sondern können auch tiefer gehende Gesundungsprozesse einleiten.

Homöopathie hat wie alle medizinischen Therapieformen natürlich auch ihre Grenzen. Das ist der Fall, wenn z. B. die Stimulation der Selbstheilungskräfte als Therapieweg nicht ausreicht oder nicht angezeigt ist. Beispiele sind notwendige Operationen, schwere bakterielle Infektionen oder Krankheiten, bei denen Organe oder deren Funktionen ganz oder teilweise zerstört sind, wie der Insulinmangel bei Diabetes. Homöopathische Arzneimittel können jedoch oftmals zusätzlich eingenommen werden, um z. B. Nebenwirkungen anderer Therapieverfahren abzumildern und den Heilungsvorgang zu fördern.

Die Ausgangsstoffe

In der Homöopathie werden heute etwa 2.000 unterschiedliche Stoffe eingesetzt. Bei der DHU werden 1.350 von den homöopathischen Fachorganisationen anerkannte und übliche Stoffe verwendet. Der überwiegende Teil sind Pflanzen in frischer oder getrockneter Form (diese heißen Drogen). Die DHU baut zwei Drittel der benötigten Frischpflanzen in den eigenen, ökologisch zertifizierten Arzneipflanzenkulturen Terra Medica nahe Karlsruhe an. Größere Mengen an Heilpflanzen werden z. B. von Echinacea (Sonnenhut), Cineraria maritima (Kreuzkraut), Calendula officinalis (Ringelblume), Cardiospermum halicacabum (Ballonrebe) oder Passiflora incarnata (Passionsblume) benötigt.

Die Pflanzen werden extensiv angebaut, d. h. die Einzelpflanze bekommt viel Freiraum im Abstand zur nächsten Pflanze. Die Kulturen werden intensiv gepflegt und bieten durch ihre Artenvielfalt viele ökologische Nischen, in denen sich Nützlinge wie Käfer, Igel und Vögel ansiedeln können. Damit ist der Grundstein für die Gesundheit der Pflanzen gelegt.

Alle frischen sowie getrockneten pflanzlichen Ausgangsmaterialien, die für die Herstellung der homöopathischen Arzneimittel der DHU vorgesehen sind, durchlaufen den Bereich “Pharmakognosie”. Dort werden die entnommenen Proben nach den Kriterien des Homöopathischen Arzneibuchs bzw. des Europäischen Arzneibuchs (Ph. Eur.) geprüft und dokumentiert.

Die Herstellung

Nach der Ernte der Pflanzen in Terra Medica werden sie in der DHU weiterverarbeitet. Die Pflanzen oder ihre Teile (z. B. nur Blüten je nach Herstellvorschrift) werden maschinell zerkleinert und in Alkohol-Wasser gelöst. Diesen Vorgang nennt man Mazeration. Er dauert in der Regel mindestens 10 und bis zu 30 Tage. Anschließend werden die gelösten Pflanzen bzw. deren Teile abgepresst. Es entsteht die Urtinktur. Sie ist zum einen die erste Form eines homöopathischen Arzneimittels, in der Regel aber der Ausgangsstoff für alle weiteren potenzierten homöopathischen Arzneien.

Alle flüssigen Arzneiformen, Dilutionen genannt, werden bei DHU mittels Handverschüttelung potenziert. Feste Stoffe werden zur Erreichung der Potenzstufen in einem Mörser verrieben. Das nennt man Trituration. Die Potenzierung ist heute wichtiger Gegenstand der Grundlagenforschung. Schon ältere Untersuchungen belegen einen Unterschied zwischen der einfachen Verdünnung und der Potenzierung.

Die Qualität der homöopathischen Arzneimittel wird in Deutschland durch das Deutsche Homöopathische Arzneibuch amtlich und damit verbindlich geregelt. Ferner sind die Vorschriften des homöopathischen Teils des Europäischen Arzneibuchs zu berücksichtigen. Ebenso gilt die europäische Vorgabe der guten Herstellpraxis (GMP) für alle pharmazeutischen Unternehmen wie die DHU.

Die Arzneiformen

Neben Globuli, Tropfen und Tabletten gibt es Homöopathika auch als Salben, Zäpfchen, Ampullen, Gele oder Lotionen. Am beliebtesten sind die Streukügelchen, meist Globuli genannt (Einzahl heißt Globulus). Deren Herstellung erfolgt nach Vorschrift 10 des HAB. Dabei werden 100 Teile Kügelchen, die aus Rohrzucker (Saccharose) bestehen, mit 1 Teil Dilution (mindestens 60 Prozent Alkohol) der jeweiligen Potenz benetzt; dies heißt Imprägnation und findet in großen Dragierkesseln statt. Durch die Rotation der Kessel und eine genau definierte Auftragungsweise findet die heilsame Flüssigkeit ihren Weg bis in den letzten Globulus. Globuli gibt es in unterschiedlichen Größen. Für die üblichen D- und C-Potenzen werden gemäß HAB Globuli der Größe 3 verwendet. 1 Globulus wiegt ca. 8 mg und hat ca. 2 mm Durchmesser.

Die DHU verfügt über ein Lieferspektrum von ca. 350.000 unterschiedlichen Produkten. Unterschiedliche Potenzen, unterschiedliche Darreichungsformen und unterschiedliche Packungsgrößen bei 1.350 verschiedenen Arzneistoffen führen zu dieser großen Zahl. Dennoch haben alle der 350.000 Arzneimittel ihren Platz in der homöopathischen Therapie und werden nachgefragt. Jährlich werden allein 70.000 Präparate ganz speziell nach den Wünschen von Therapeuten oder Patienten als Sonderanfertigungen ab einer Größe von 1 Packung hergestellt.

 

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