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Entspricht die Homöopathie wissenschaftlichen Standards?

Januar 9, 2019

Die Wirksamkeit der Homöopathie ist erlebbar, viele Menschen und Experten können das bestätigen. Doch wie lässt sich der wissenschaftliche Nachweis führen, Stichwort „Evidenz“? Dieser Frage ging die Wiener Ärztin Dr. Melanie Wölk in ihrer Masterarbeit nach und kam zu einem eindeutigen Ergebnis – zugunsten der Homöopathie.

Homöopathie und Beweisbarkeit

„Eminenz oder Evidenz: Die Homöopathie auf dem Prüfstand der Evidence based Medicine“, so lautet der Titel der Masterarbeit von Dr. med. Melanie Wölk. Anders formuliert ging Wölk der Frage nach, ob sich die Wirkung einer homöopathischen Therapie nach den strengsten Kriterien der Beweisbarkeit und Wissenschaftlichkeit nachweisen lässt. Zur Überprüfung dieser Kriterien gibt es den Standard der sogenannten „Evidence based Medicine (EbM). Mit „Evidenz“ ist hierbei ein Beleg oder ein Beweis gemeint, der „sich auf die Informationen aus wissenschaftlichen Studien und systematisch zusammengetragenen klinischen Erfahrungen bezieht, die einen Sachverhalt erhärten oder widerlegen.“ Laut dem Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. ist die EbM wiederum „der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten externen, wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten.“

Zwischen zwei Lesarten

In der Interpretation der Evidenzbasierten Medizin haben sich inzwischen zwei Sichtarten entwickelt. Die erste quasi für die Medizin angemessene und richtige Sichtweise sieht in Evidenz nicht nur den wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis anhand klinischer Studien nach höchsten Kriterien. Evidenz speist sich vielmehr aus drei Bereichen, nämlicher aus der klinische Expertise, was so viel bedeutet wie die Erfahrung der Therapeuten, aus klinischen Studien und anderen wissenschaftlichen Belegen (soweit verfügbar) und der Akzeptanz durch den Patienten für die Förderung der Compliance, also der Therapietreue.

Laut dem Wegbereiter des EbM, David Sackett, sind vom behandelnden Arzt die verschiedenen Teile der Evidenz gleichermaßen zu berücksichtigen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich unter der alleinigen Berücksichtigung von klinischen Studien die Vielfalt und Möglichkeiten der Medizin um mindestens 50% reduzieren würden. Das würde einen großen Rückschritt und Nachteil für Patienten gleichermaßen bedeuten. Hintergrund ist, dass in vielen Bereichen wie Notfallmedizin, Psychiatrie, Rehabilitation die geforderten doppelbinden placebokontrollierten Studien gar nicht durchführbar sind. Auf der anderen Seite sind auch bei den Medikamenten (auch aus der Schulmedizin) nicht durchgängig die geforderten Studien verfügbar.

Ungeachtet dessen hat die Autorin Wölk in ihrer Masterarbeit die Homöopathie ausschließlich unter dem Kriterium der Studien auf den Prüfstand gestellt. Umso interessanter ist das Ergebnis.

Die Studie

Leitend für die Masterarbeit von Dr. Melanie Wölk war die Frage: Gibt es klinische Studien mit den höchsten Evidenzgraden Ia und Ib, die die Wirksamkeit von homöopathischen Therapien nachweisen? Der Evidenzgrad bezeichnet hierbei, dass es sich um Studien handelt, die den höchsten Ansprüchen der evidenzbasierten Medizin genügen.

Um diese Frage beantworten zu können, hat die Ärztin in medizinischen Datenbanken nach entsprechenden Studien recherchiert, die die Wirksamkeit der Homöopathie untersuchen. Etwa 30 Studien konnten so von ihr ermittelt werden. Ausschlaggebend war dabei natürlich, ob sich darunter positive Ergebnisse fanden, die die Wirksamkeit signifikant, also Placebo überlegen, belegen konnten. Tatsächlich traf dies für etwa die Hälfte der untersuchten Studien zu. Wölk konnte demnach eine Wirksamkeit der Homöopathie unter den höchsten Standards der evidenzbasierten Medizin in verschiedenen Bereichen nachweisen.

Originalarbeit

Wölk, Melanie: Eminenz oder Evidenz: Die Homöopathie auf dem Prüfstand der Evidence based Medicine. Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Abschlusses Master of Science im Universitätslehrgang Natural Medicine. Donau-Universität Krems, Department für Gesundheitswissenschaften und Biomedizin. Krems, Mai 2016.

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