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Homöopathie in Frankreich

März 21, 2018

Bereits seit 1965 ist die Homöopathie in Frankreichs staatlichem Gesundheitssystem fest verankert. Entsprechend werden auch die Kosten für Homöopathika zu großen Teilen von den Versicherungen übernommen. In keinem anderen Land sind homöopathische Arzneimittel so verbreitet und fest integriert in den medizinischen Alltag.

 

Starke Tradition erwachsen aus einem Europäischen Gemeinschaftswerk

Die besondere Stellung Frankreichs kommt nicht von ungefähr: Die Tradition der homöopathischen Behandlung reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Genauer bis zum Wirken und Engagement des deutschen Arztes Dr. Samuel Hahnemann (1756-1843), der diese Therapieform vor mittlerweile über 200 Jahren einführte. Er legte mit seinem Grundlagenwerk “Organon der rationellen Heilkunde” im Jahre 1810 den Grundstein für die homöopathische Heilmethode. Durch seine Pariser Praxis, die er in hohem Alter eröffnete (ab 1835), gelang es ihm, die Homöopathie auch über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt zu machen. Interessierte aus ganz Europa reisten nach Paris, um sich von ihm behandeln zu lassen, z. B. 1837 der weltbekannte Geiger Niccolò Paganini. In der Folge entstanden im Nachbarland homöopathische Kliniken bzw. größere Polikliniken mit homöopathischer Sprechstunde.
Es war der Franzose Léon Vannier, der auf dieses starke Fundament aufbaute und der Fachrichtung zu noch mehr gesellschaftlicher Anerkennung verhalf. So gründete er vor dem Ersten Weltkrieg eine französische Fachzeitschrift, kümmerte sich aktiv um die Unterstützung der Forschung und verbesserte den Vertrieb der Arzneimittel. Außerdem stärkte Vannier die Vernetzung der Homöopathie-Befürworter und beförderte gleichsam die Einheitlichkeit der Lehre.

Ungebrochenes Vertrauen formuliert klaren Anspruch an medizinische Versorgung

Das Vertrauen der französischen Bevölkerung in die Homöopathie ist bis heute ungebrochen: So verlassen sich laut einer IPSOS-Studie aus dem Jahr 2012 drei von vier Befragten auf die Wirkung von Homöopathika. Und neun von zehn Studienteilnehmern wünschen sich, auch im Krankenhaus zuerst ein homöopathisches Mittel angeboten zu bekommen.
Indes, um diesen Ansprüchen künftig gerecht zu werden, muss die Medizin nachbessern. So kritisieren die Befragten fast ausnahmslos die mangelnde Kenntnis um das Wirkpotenzial der Homöopathie. Folgerichtig meinen fast 94 Prozent der Teilnehmer, dass die ärztliche Erstausbildung auch Lehreinheiten zur Homöopathie beinhalten sollte. Und auch hinsichtlich der Verbreitung komplementärmedizinischer Angebote und Leistungen gibt es Luft nach oben: So waren 2017 in Frankreich lediglich 5.000 Ärzte (220.000 insgesamt) mit einer Zusatzausbildung der Fachrichtung Homöopathie registriert. In Deutschland liegt der Wert mit 7.000 registrierten Ärzten (380.000 insgesamt) absolut höher.

 

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