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Homöopathie International – Schweiz

April 10, 2018

In der Schweiz findet die Komplementärmedizin und damit auch die Homöopathie breiten gesellschaftlichen Zuspruch. Seit dem Sommer 2017 sind komplementärmedizinische Methoden dauerhaft im Leistungskatalog der für alle Schweizer obligatorischen Krankenpflegeversicherung verankert. Damit endet eine beinahe 20-jährige gesellschaftliche Debatte an der Nahtstelle zwischen Wissenschaft und Politik.

 

Kontroverse über zwei Jahrzehnte

Bereits seit den späten 90er Jahren fand in der Schweiz eine Diskussion über die Frage statt, ob komplementärmedizinische Leistungen von der gesetzlichen Krankenpflegeversicherung (entspricht der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland) übernommen werden sollen. Zur Komplementärmedizin gehören dabei neben der Homöopathie unter anderem die Pflanzenheilkunde (Phytotherapie), die anthroposophische Medizin und die traditionelle chinesische Medizin (TCM).

Im Jahr 2005 wurde die Komplementärmedizin und mit ihr die Homöopathie zunächst aus dem Leistungskatalog ausgeschlossen. Es folgten Proteste von Medizinern und Patienten und 2009 schließlich eine erste Verfassungsabstimmung, in der sich 67 Prozent der Bevölkerung für die Komplementärmedizin aussprachen. Seitdem hält der Schweizer Verfassungsartikel 118a fest: “Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin”.

Im vergangenen Jahr beschloss die Schweizer Regierung, die Wiederaufnahme der Komplementärmedizin in den Leistungskatalog zu entfristen und sie somit dauerhaft in die gesetzliche Grundversicherung aufzunehmen. Der Beschluss basierte auf der Arbeit eines Expertenkomitees unter der Leitung des Schweizer Departements des Innern (EDI), in dem Vertreter der Universitäten und der Wissenschaft, der Versicherer, der Komplementärmedizin und der Patienten saßen.

Behandlungserfolg im Mittelpunkt

Voraussetzung für die Kostenübernahme durch die Krankenversicherung ist, dass die komplementärmedizinische Behandlung von einem Arzt praktiziert wird, der entsprechende Zusatzausbildungen durchlaufen hat und die ärztliche Leistung als wirksam, zweckmäßig und wirtschaftlich eingestuft wird.

Bei der Beurteilung der Leistung werden Homöopathie und Schulmedizin grundsätzlich gleichgestellt. Im Zentrum steht dabei der Behandlungserfolg. Dazu wird in der Schweiz die Versorgungsforschung besonders berücksichtigt: Sie analysiert die alltägliche medizinische Praxis und beleuchtet in langfristigen klinischen Studien die ganzheitliche Versorgung des Patienten. Sie erweitert dabei den Blickwinkel auf Aspekte wie das Arzt-Patienten-Verhältnis, Therapiekosten und alternative Behandlungsmethoden.

Entscheidung zum Wohle des Patienten

Mit der Gleichstellung von Komplementärmedizin und Schulmedizin setzt die Schweiz ein starkes Signal für ein Gesundheitswesen, das unterschiedliche Behandlungsmethoden sinnvoll integriert. Für die Berner Nationalrätin Evi Allemann ein wichtiger Schritt: “Wenn Schul- und Komplementärmedizin zusammenarbeiten, ist das ein Gewinn für eine ganzheitliche Sicht des Menschen und eine nachhaltige Behandlung”.
Der Schweizer Weg kann somit als Beispiel für andere Länder dienen, wie alternative Behandlungsmethoden systematisch integriert werden können und komplementärmedizinische Versorgungsangebote – und damit auch die Homöopathie – gleichberechtigt neben anderen Fachrichtungen existieren.

 

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