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In Europa werden immer mehr Nutztiere homöopathisch behandelt

April 4, 2019

„Bio boomt, das Image von Bio-Produkten steigt stetig weiter. Der Markt wächst und selbst in immer mehr Discountern sind Bio-Lebensmittel erhältlich. Dass immer mehr Gemüse und Obst aus regionalem Anbau und frei von Pestiziden in die Regale kommen, überzeugt. Doch wie ist das mit Eiern, Milch und Fleisch? Denn auch eine Bio-Kuh wird mal krank oder braucht Unterstützung beim Kalben. Hier kommen in den letzten Jahren vermehrt homöopathische oder pflanzliche Arzneimittel zum Einsatz, eine EU-Bio-Verordnung regelt dies. In den letzten Jahren wurde sie nochmals überarbeitet und in Brüssel wurde um sie gerungen. Norbert Lins, CDU/CSU, brachte es auf den Punkt: „Das Ziel ist, dass im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen (AMR) für Tierhalter wirksame Medikamente verfügbar sind und wir Alternativen zu antimikrobiellen Wirkstoffen haben. Aus diesem Grund bin ich absolut überzeugt, dass auch im Veterinärbereich die Homöopathie gute komplementäre oder gar alternative Medikamente liefert und so zur Eindämmung von AMR beiträgt.“ In der offiziellen EU-Bio Verordnung heißt es deshalb, dass Nutztiere auf Bio-Höfe vorrangig homöopathisch oder phytotherapeutisch behandelt werden müssen – es sei denn, der Tierarzt entscheidet sich aus medizinischen Gründen dagegen.

Mit Homöopathie gegen Antibiotika-Resistenzen

„In 80 Prozent der Fälle kommen wir mit homöopathischen Mitteln bei der Geburt und dann in der Betreuung von Kuh und Kalb aus“, schätzt Dr. med. vet. Christian Fidelak. Der Potsdamer Tierarzt betreut viele Höfe, ganz gleich, ob konventionell oder bio, und weiß aus Erfahrung, das sich „Eutererkrankungen und alles um den ´Geschlechtsapparat` gut homöopathisch behandeln lässt.“ Doch auch wissenschaftlich ist Fidelak auf der sicheren Seite. Er hat schon viele Studien geleitet, bei denen Homöopathie, Placebo und Antibiotika gegeneinander bei Euterentzündungen getestet wurden. Die Ergebnisse sind immer vergleichbar und zeigen, „dass Homöopathie ähnlich erfolgreich ist wie Antibiotika“, sagt Fidelak. Es wird vermehrt geforscht, angetrieben von der Problematik der zunehmenden Antibiotika-Resistenzen. In dem Datenbank-Portal HomVetCR (Clinical Research on Veterinary Homeopathy) der Carstens-Stiftung können 445 klinische Studien eingesehen werden. Auch bei Schweinen sieht die Studienlage überzeugend aus. In der Fachzeitschrift Homeopathy wurde eine hochwertige Studie (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20129177) zu Durchfall bei neugeborenen Ferkeln veröffentlicht. Die Ergebnisse: Ferkel der homöopathisch behandelten Gruppe hatten deutlich weniger „E. coli-Diarrhoe“ als Ferkel in der Placebo-Gruppe, die Erkrankung war – wenn sie auftrat – deutlich leichter und ihre Dauer schien kürzer zu sein.

Das weltweite Auftreten der Antibiotika-Resistenzen sorgt auch die WHO. Die Weltgesundheitsorganisation ruft ihre Mitgliedsstaaten in dem Strategiepaper „Traditional Medicine Strategy 2014-2023“ auf, die Komplementärmedizin stärker in die Gesundheitssysteme aufzunehmen. Auch die Europäische Lebensmittelbehörde warnt aktuell vor Resistenzen im Schweinestall, vor allem in Deutschland und Spanien.

Homöopathie hat die Bio-Nische längst verlassen

Da Produkte eines Tieres nach Beendigung einer Antibiotika-Therapie eine Zeitlang nicht verkauft werden dürfen, entschließen sich immer mehr Landwirte zunächst auf Homöopathie zu setzen. Dr. Christian Fidelak, er betreut Höfe in ganz Deutschland, kommt zu dem Urteil, dass sich die Homöopathie in der Nutztierhaltung immer weiter durchsetzt. „Es werden die gleichen Ergebnisse erzielt wie mit der konventionellen Medizin und das ganz große Argument ist, dass keine Wartezeit beim Verkauf entsteht.“ Der ökonomische Aspekt ist es, der konventionelle Höfe zur Homöopathie führt. Laut Fidelak sind es zum Teil sehr große Betriebe mit bis 1.700 Kühen, die bei jeder Erkrankung auf Homöopathie setzen. Aber das wichtigste ist, dass die Tiere gesund bleiben und nicht erst gar nicht behandelt werden müssen. Dafür benötigen sie Auslauf und frische Luft, nährstoffreiches Futter, einen trockenen und weichen Boden im Stall und vor allem eine Liege-Box mit Stroh für jedes Tier – das gibt es dann nur wieder im Bio-Stall.

Mit der Verordnung (EU) 2019/6 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2018 über Tierarzneimittel hat auch die Europäische Union auf die Resistenzsituation reagiert und ein über den nationalen Gesetzen stehendes Regelwerk geschaffen. Darin widmen sie den homöopathischen Tierarzneimitteln in einem eigenen Kapitel einen breiten Raum um eine Alternative für die Reduzierung von Antibiotika zu schaffen.

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