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Interview mit Dr. med. Johannes Wilkens, Facharzt für Allgemeinmedizin

Oktober 9, 2019

Interview mit Dr. med. Johannes Wilkens, Facharzt für Allgemeinmedizin

Herr Dr. Wilkens, bitte stellen Sie sich uns kurz vor

Ich bin ärztlicher Direktor der Alexander von Humboldt-Klinik in Bad Steben und arbeite seit rund 20 Jahren hier. Unser Schwerpunkt ist die integrative Medizin bei älteren Menschen. Wir haben neue therapieübergreifende Konzepte für die Behandlung von Patienten mit Schlaganfall, Krebs, Parkinson und Demenz entwickelt.

Integrative Medizin heißt bei uns die Kombination von konventioneller Medizin mit Homöopathie, anthroposophischer Medizin und TCM – natürlich integrieren wir auch die Physio- und Ergotherapie. Über unseren Ansatz habe ich mehrere Bücher für Laien und Fachleute geschrieben.

Ihre Praxis ist in die Alexander von Humboldt Klinik integriert, wie müssen wir uns das vorstellen?

Richtig, ich betreibe zusätzlich eine Privatpraxis innerhalb der Klinik, ausschließlich für Patienten, die nicht im Krankenhaus aufgenommen sind. Das Therapiespektrum ist aber vergleichbar.

Welche Behandlungsschwerpunkte haben Sie?

Wir sind eine ganz normale geriatrische Reha-Klinik in der Regelversorgung mit einem sehr großen Einzugsgebiet. Wir betreuen sehr viele Patienten mit den Folgen eines Schlaganfalls und auch Patienten mit der Parkinson’schen Krankheit. Diese Patienten kommen direkt nach der Akut-Klinik zu uns in die Klinik.

Kommen die Patienten wegen der Homöopathie zu Ihnen?

In die Klinik nicht, wir sind ja ein Teil der Regelversorgung und die Patienten kommen ganz normal aus der Region per Überweisung zu uns. Anders ist dies in meiner Praxis. Zu mir kommen die Patienten ganz gezielt auf Grund meines medizinischen Angebots.

Lässt sich die Homöopathie gut in die Praxis integrieren?

Ja, sehr gut sogar, aber das ist zunächst gar nicht das Entscheidende. Wichtiger sind erst einmal die Medikamente, die der Patient bereits einnimmt. Wir stellen zunächst fest, welche Medikamente er wirklich braucht und welche nicht. Das überraschende Ergebnis ist, das wir meistens auf sehr viele Arzneien in der Therapie verzichten können.

Im zweiten Schritt schauen wir dann, welche homöopathischen Mittel wir einsetzen können – häufig sind dies Mittel, die nicht auf den ganzen Organismus zielen, sondern auf einzelne Organe. Das hängt aber sehr stark von den Patienten ab, bei vielen haben wir sehr gute therapeutische Erfolge mit diesem Weg. Wir setzen vor allem homöopathische Arzneien in tieferen Potenzen ein, damit erzielen wir gerade bei älteren Menschen die besten Ergebnisse.

Machen Sie eine konventionelle Diagnostik und ergänzen diese mit einer homöopathischen Anamnese?

Die konventionelle Diagnostik wurde ja bereits in der Akut-Klinik durchgeführt und wir erhalten aus den Unterlagen des Patienten alle wichtigen Daten. Diese Daten werden dann von uns durch eine homöopathische Erhebung ergänzt – so erhalten wir ein gutes Bild vom Patienten. Anders ist das natürlich in meiner Praxis, hier führe ich eine konventionelle Diagnostik und eine homöopathische Anamnese durch.

Setzt sich in der Behandlung von älteren Menschen die integrative Medizin weiter durch?

Wir sind sogar gezwungen integrativ zu therapieren, da viele Medikamente der konventionellen Medizin im Alter gar nicht funktionieren. Wir wissen, dass die Nebenwirkungen vieler Medikamente oft die Ursache der gesundheitlichen Probleme im Alter sind. Ältere Patienten sollten mit zwei, maximal drei chemischen Medikamenten auskommen, darüber hinaus sollten es homöopathische Arzneien sein.

Was ist das Besondere in der Therapie älterer Menschen?

Das Besondere ist, dass der Patient Berührung braucht, er braucht Einreibungen, dass man ihn anfasst, das wird im Krankenhaus generell viel zu wenig gemacht. Wir wissen, dass Berührung sogar Depressionen in der Vorstufe mildern kann, und wenn wir den Patienten so annehmen, wie er ist.

Ein anderer Punkt ist die Ernährung. Ganz wichtig ist gerade auch im Alter ein sehr gutes Essen, eine gute biologische Kost. Wir erleben aber immer wieder, dass es sehr, sehr schwierig ist, dass dies von den Patienten angenommen wird.

Wird ihr Konzept von den Patienten akzeptiert?

Wir sind für unsere Medizin in der Region bekannt und unser Ansatz wird in aller Regel gut angenommen – er wird sogar von den Patienten inzwischen eingefordert.

…und wie stehen die Kollegen zur integrativen Medizin?

Es war schon ein längerer Weg, aber jetzt wird er akzeptiert. Damals, in den ersten fünf Jahren, mussten wir dafür kämpfen, dann wurde der Ansatz toleriert und inzwischen wird er akzeptiert. Das gesamte Konzept spricht für sich und das wichtigste ist das Ergebnis: Zufriedene Patienten.

 

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