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Interview mit Ärztin, Homöopathin und Notfallmedizinerin Dr. Michaela Geiger

September 10, 2018

Dr. Michaela Geiger ist als niedergelassene Hausärztin und Notfallmedizinerin tätig.  Sie sagt: “Wir haben es mit mündigen Ärzten und mündigen Patienten zu tun, die sich bewusst und verantwortlich für die Homöopathie entscheiden – dieses Recht können Kritiker weder mir und meinen ärztlichen Kollegen noch den Patienten absprechen.”

Das Interview:

Schildern Sie bitte Ihre Tätigkeitsschwerpunkte.

Ich bin in einer privaten hausärztlichen Praxis niedergelassen, dazu gehören auch Hausbesuche und auch die hausärztliche Notfallversorgung. Mein Patientenspektrum ist sehr breit, vom Kind bis zum Greis. Und somit ist auch das Behandlungsspektrum entsprechend groß, es umfasst z.B. Allergien genauso wie nervöse Unruhe.

Wie viel Prozent nimmt die Homöopathie in Ihrer Praxis ein?

Ich therapiere so gut wie rein homöopathisch, ich schätze den Anteil auf 85 Prozent. Als Hausärztin habe ich natürlich auch den konventionellen Blick auf meine Patienten, in der Arzneitherapie versuche ich aber primär Homöopathika einzusetzen. Es gibt aber auch Patienten, die von mir rein konventionell betreut werden möchten. Die Homöopathie ist für mich und meine Patienten eine integrative Therapieoption.

Sie sind in dritter Generation in dieser Praxis homöopathisch tätig. Bitte geben Sie uns einen Einblick in Ihre Familiengeschichte.

Ja, das stimmt. Die Praxis ist jetzt 85 Jahre alt, sowohl mein Großvater als auch meine Mutter haben hier schon als Homöopathen praktiziert. Mein Großvater hat etwa 30 Jahre praktiziert, meine Mutter etwa 50 Jahre. Ich bin in diesem Kontext hier aufgewachsen und habe die Homöopathie schon mit der Muttermilch aufgenommen, da sich die Praxis auch in meinem Elternhaus befindet. Die Homöopathie hat mich immer begleitet und so habe ich auch in meiner Ausbildung den Schwerpunkt auf Homöopathie gesetzt. Ich habe noch ein paar hochbetagte Patienten, die schon von meinem Großvater behandelt wurden.

Sie sind auch Notärztin. Wie passt dies mit der Homöopathie zusammen?

Das passt im Grunde sehr gut zusammen. Ich halte mich natürlich an die notärztlichen Leitlinien, die ich in den jeweiligen Situationen gewissenhaft abarbeite. Aber ich habe auch einen Spielraum und kann die Homöopathie begleitend auch bei sehr schweren Fällen einsetzen. So habe ich eine weitere Therapieoption. Meine Erfahrung ist, dass die Homöopathie auch im notärztlichen Bereich und in der Intensivmedizin wirkt.

Das heißt, dass Sie im Rettungswagen auch immer eine homöopathische Notfallapotheke dabei haben?

Genau, die ist auf jeden Fall immer dabei. Ich muss natürlich abwägen, was in welchem Rahmen angemessen ist, aber an einem Unfallort sind nicht nur Schwerverletzte, sondern auch Menschen, die den Unfall gesehen haben und vielleicht eine Betreuung benötigen. Auch in der hausärztlichen Notfallversorgung kann ich die Homöopathie oft bei niederschwelligen Fällen einsetzten – ich erlebe die Menschen der Homöopathie gegenüber als offen und dankbar.

…wie wird das von den Kollegen wahrgenommen?

Die Kollegen akzeptieren das, zumal sie auch wissen, dass ich eine verantwortliche Ärztin bin. Sie haben die pragmatische Einstellung, wenn`s hilft, ist es gut. Ich habe noch keine negativen Erfahrungen diesbezüglich gemacht, die Kolleginnen und Kollegen sind alle durchweg Praktiker, die die Menschen in vielen Situationen erleben und sie sind oft erstaunt, wie gut Homöopathie wirkt.

Wirkt Homöopathie denn auch schnell?

Auf jeden Fall. Und die Auswahl des Mittels muss auch schnell erfolgen. In der Akutversorgung reichen mir drei, vier Symptome und die nötige Erfahrung, um ein geeignetes Mittel zu geben. Ich orientiere mich entweder an den Anhaltspunkten, die vorhanden sind, oder ich setze sie gar nicht ein, wenn sie nicht angezeigt ist. Konventionelle Medizin und Homöopathie gehen bei mir Hand in Hand. Schwarz-Weiß-Denken ist hier fehl am Platz.

Was ist für Sie gute Medizin?

Am Anfang einer Therapie steht für mich immer ein ausführliches Gespräch, um den Patienten maximal zu erfassen. Zur Fallaufnahme gehört auch eine profunde Diagnostik – also bedarf es Zeit für den Patienten, um herauszufinden, woran er leidet, um dann die nötige Therapie individuell festzulegen. Zur Therapie benötigen wir dann eine Vielfalt von Methoden, um das Beste für den einzelnen Patienten zu erreichen – dazu gehört natürlich die Homöopathie, die Großartiges in der Primärversorgung leisten kann.

Es gibt Kritiker der Homöopathie, die würden gerne die freie Arztwahl und die Therapiewahl einschränken. Was würden Sie ihnen gerne sagen?

Wir haben es mit mündigen Ärzten und mit mündigen Patienten zu tun, die sich bewusst und verantwortlich für die Homöopathie entscheiden – dieses Recht können Kritiker weder mir und meinen ärztlichen Kollegen noch den Patienten absprechen.

Medien berichten häufig, es gebe keine Studie, die über den Placebo-Effekt hinausgehe. In Ihrer Praxis machen Sie andere Erfahrungen – wie empfinden Sie diese Berichterstattung?

Die Hartnäckigkeit und die Einseitigkeit der Darstellungen verwundern mich, aber es gibt auch Medien, die  Fakten aus der Forschung benennen. Es wird weltweit geforscht, es liegen qualitativ hochwertige Forschungsergebnisse vor, die der Homöopathie einen therapeutischen Nutzen über Placebo bescheinigen. Wenn das Problem ist, dass der Wirkmechanismus bis heute nicht geklärt ist, ja, dann muss weiter geforscht werden und hinzugefügt werden, dass das auch für Teile der konventionellen Medizin gilt.  Kurz gesagt: Hochwertige Studien zeigen, das die Homöopathie in der Praxis am Patienten wirksam ist – ähnlich gut wie konventionelle Therapien. Wie die Homöopathie genau wirkt, das ist bisher ungeklärt. Dazu braucht es mehr Forschung.

Ist Homöopathie gefährlich, weil schwerwiegende Erkrankungen fehlbehandelt werden könnten?

So eine Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Darin sehe ich reine Panikmache, so sollen Patienten verunsichert werden. Wir sind doch Mediziner! Wenn ich eine schwerwiegende Erkrankung bei einem Patienten übersehe, dann ist das mein ärztlicher Fehler, das hat doch nichts mit der Methode zu tun. Wir haben schlicht neben der konventionellen Medizin noch eine weitere oder auch mehrere Methoden als Option für die Therapie. Das ist gut für den Patienten und auch für uns Ärztinnen und Ärzte.

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