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Interview mit Dr. Alexander Tournier

November 6, 2018

Alexander Tournier ist Direktor des Londoner Homeopathy Research Instituts (HRI). Er sagt: „Die Homöopathie ist einem Placebo deutlich überlegen.“

Ist die Homöopathie eine gut erforschte Methode?

Im Verhältnis zur konventionellen Medizin ist die Homöopathie-Forschung ein relativ kleines Gebiet. Was viele nicht wissen ist, dass es in den Datenbanken hunderte von Studien gibt. Viele sind aber älter und entsprechen nicht mehr heutigem Standard. Wir brauchen mehr Forschung und mehr Unterstützung. Die müsste es eigentlich geben, da laut WHO die Homöopathie die zweithäufigste medizinische Methode der Welt ist.

Ist die Wirksamkeit der Homöopathie ausreichend belegt?

Wir haben genügend Beweise, die für die Homöopathie sprechen, um weitere Forschung zu rechtfertigen. In Wissenschaftskreisen bedeutet diese Aussage viel! Beispiel klinische Forschung: Die aktuelle Übersichtsarbeit von Dr. Robert Mathie (Metanalyse von 2014) zeigt deutlich bei placebo-kontrollierten Studien, dass die Homöopathie dem Scheinmedikament überlegen ist.

Warum ist Homöopathie aus Ihrer Sicht umstritten?

Die Homöopathie scheint im Widerspruch zu den grundlegenden Annahmen der Physik, Chemie und Biologie zu stehen. Wieso wirkt eine hochverdünnte Substanz, in der nach heutigen Möglichkeiten kein Molekül des Ausgangsstoffs nachweisbar ist? Es gibt noch zu viele offene Fragen und solange wir keinen besseren Einblick in den Wirkmechanismus haben, wird die Homöopathie umstritten bleiben. Jedoch rechtfertigt dies nicht die gut organisierten Gruppen, die die Homöopathie angreifen. Sie sind in vielen Ländern aktiv und gut  vernetzt und verbreiten sehr geschickt Falschaussagen wie: Homöopathie sei nicht besser als Placebo, positive Studien gebe es keine oder weitere Forschung sei nicht nötig. Interessant ist, dass die Angriffe mit der Beliebtheit der Homöopathie auch stärker werden.

Warum ist es so schwer, eine allgemein anerkannte Studie zur Homöopathie zu präsentieren?

Wir haben qualitativ hochwertige Forschung in der Homöopathie, nur leider viel zu wenig. Studien müssen etwa von unabhängigen Sachverständigen wiederholt werden, möglichst nicht nur einmal. Forschung kostet sehr viel Geld und es gibt im Grunde keine öffentliche Förderung. Die Forschungsförderung für die gesamte Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) umfasst nur etwa 0,01 Prozent des gesamten medizinischen Forschungsbudgets in den EU-Ländern. Es fehlt aber auch an Wissenschaftlern, der Bereich ist derzeit zu umstritten, um die Karriere eines jungen Wissenschaftlers zu unterstützen.

Aber wie funktioniert Homöopathie? Welche Forschung kann das enträtseln?

Wir haben eine Reihe interessanter experimenteller Ergebnisse, die die Zahl der möglichen Theorien einschränken. Zum Beispiel deutet einiges darauf hin, dass elektromagnetische Effekte eine Rolle spielen. Auch versuchen wir gerade ein zuverlässiges, reproduzierbares System aufzubauen, das zeigt, dass sich homöopathische Verdünnungen von normalem Wasser unterscheiden. Andere Forscher untersuchen Biokristallisations- und Wassertropfenverdampfungsmethoden, und vieles mehr.

Wie reagieren andere Physiker bzw. Wissenschaftler auf Sie?

Zum Glück bin ich promovierter Physiker und kann auf Augenhöhe mit den Kollegen diskutieren. Aber es ist ganz klar: die Homöopathie ist für die meisten Wissenschaftler indiskutabel – sei es aus Unwissenheit oder Angst. Wer über Homöopathie forscht, setzt seine Karriere aufs Spiel und die Rückkehr zur konventionellen Forschung ist quasi unmöglich.

Zur Person

Dr. Alexander Tournier, in Paris aufgewachsen, Studium der Physik in Cambridge und Heidelberg, u.a. 10 Jahre in der Krebsforschung in England tätig. Direktor des 2007 von ihm mitgegründeten Londoner Homeopathy Research Instituts (HRI).

Hinweis: Die Aussagen in den Interviews geben die persönlichen Auffassungen der Gesprächspartner wieder und werden von der DHU im Kontext der Diskussion um und über Homöopathie zugänglich gemacht.

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