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Interview mit Apotheker und Heilpraktiker Hans Wilhelm

August 16, 2018

Hans Wilhelm ist Apotheker und Heilpraktiker. Er sagt: “Homöopathie und Schulmedizin schneiden bei mir gleich gut ab was die sogenannten Responder-Quoten angeht, also das erfolgreiche Ansprechen auf die Behandlung.”

Das Interview:

Guten Tag Herr Wilhelm, Sie sind Apotheker und Heilpraktiker, erleben die Homöopathie also aus unterschiedlicher Sicht. Warum ist die Homöopathie für Sie unverzichtbar? 

Ich hatte zum einen ein sehr persönliches Schlüsselerlebnis. Die Homöopathie hat mich von hartnäckigen Schmerzen befreit, was zuvor keine andere Methode bzw. Medikament wirklich vermochte. Zum anderen sehe ich in meiner Praxis als Heilpraktiker und in der Apotheke faszinierende Erfolge, die ich mit der Homöopathie auf sehr verträgliche Weise erreichen kann. Sie ist also ein unverzichtbares Instrument meiner Tätigkeiten.

Wie sehen Sie das als Therapeut?

Als Therapeut, also Heilpraktiker, erlebe ich die Domäne der Homöopathie vor allem bei chronischen Erkrankungen, die über einen langen Zeitraum entstanden sind. Hier kann ich mit der regulierenden Eigenschaft von Homöopathika den Fortschritt der Erkrankung oft zumindest verlangsamen, manchmal auch für eine Zeit stoppen. In den meisten Fällen erreiche ich so eine Linderung der Symptome auf sehr sanfte und nicht belastende Weise.

Wie sehen Sie das als Apotheker?

In die Apotheke kommen die Menschen meist mit akuten Beschwerden und erwarten schnelle Besserung. Da wir in unserer Apotheke eine große Stammkundschaft haben, die immer wieder kommt, fordere ich meine Kunden grundsätzlich auf, mir Rückmeldung über den Erfolg des empfohlenen Mittels zu geben. Und natürlich auch sofort zu kommen, wenn ein Mittel nicht die erwartete Wirkung hat. Homöopathie und Schulmedizin schneiden bei mir gleich gut ab was die sogenannten Responder-Quoten angeht, also das erfolgreiche Ansprechen auf die Behandlung.

Gibt es den HOM-Kunden in der Apotheke?

Eigentlich gibt es keine speziellen Homöopathie-Kunden. Es ist in der Bevölkerung ein breiter Wunsch nach natürlichen und sanft wirksamen Medikamenten da. Die Menschen wollen heute auch aktiv und eigenverantwortlich zu ihrer Gesundheit beitragen und haben ein großes Informationsbedürfnis. Deshalb ist es auch wichtig, sich als Apotheker in Homöopathie und Naturheilverfahren auszukennen, um hier kompetent beraten bzw. helfen zu können.

Wie groß ist für einen Apotheker in der Apotheke der Beratungsbedarf bei homöopathischen Arzneimitteln im Vergleich zu anderen Arzneimitteln?

Es ist nicht gut, Patienten mit Medikamenten allein zu lassen. Auch das Internet kann keine individuellen, an den Menschen orientierten, Entscheidungen treffen. Es ist notwendig, den Hintergrund der Erkrankung zu erkennen und dann das richtige Mittel zu empfehlen. Meine Kunden wünschen ausführliche Beratung und verständliche Erklärungen. Die Apothekenpflicht garantiert das.

Der Wirkmechanismus ist bei homöopathischen Arzneimitteln bislang nicht vollständig bekannt und sie arbeiten sicher auch nicht auf dem üblichen pharmakologischen Weg. Wie sehen Sie das als Pharmakologe?

Tatsächlich wird die Medizin heute in die sogenannte Evidenz-Basierung gedrängt, also in die absolute Ausrichtung auf Studien. Zur Evidenz gehört in der Medizin allerdings immer auch vor allem die Erfahrung. Je länger ich Apotheker und Heilpraktiker bin, umso stärker gilt dies für mich. Gerade die regulativen Therapiemethoden wie Homöopathie wirken ja auf das gesamte Geschehen der physiologischen Abläufe in der Person. Diese von mir als „Naturgesetze“ bezeichneten individuellen Vorgänge muss ich beachten, um wirklich erfolgreich therapieren zu können. Studien geben Anhaltspunkte, was die Wahrscheinlichkeit der Wirkung angeht. Meine Erfahrung allerdings bietet mir eine viel größere Wahrscheinlichkeit, individuell das richtige Medikament zu „treffen“.

HOM sind sehr verträglich und können mit anderen Medikamenten kombiniert werden. Welche Bedeutung hat das Stichwort Multimedikation bei älteren Menschen?

Das ist ein immens wichtiger Punkt und wird immer bedeutender. Da es immer mehr ältere Menschen gibt. Menschen, die 10 Medikamente zugleich nehmen müssen, sind heute nicht selten. Als Apotheker sind wir heute mehr denn je gefordert, darauf zu achten, dass es zwischen den Medikamenten keine unliebsamen Wechselwirkungen gibt, sich z. B. Wirkungen verstärken oder abschwächen oder Nebenwirkungen heftiger werden. Bei älteren Menschen sind meist die Stoffwechselprozesse verlangsamt. Homöopathika können deshalb gut eingesetzt werden, da sie höchst verträglich sind, keine zusätzliche Belastung verursachen und auch kaum Potenzial für Wechselwirkungen haben. Meine Erfahrung ist, dass homöopathische Arzneimittel auch in Begleitung vieler anderer Medikamente wirksam sind. Das Prinzip „Hand in Hand“ von verschiedenen Therapieansätzen ist mein Credo.

Mit welchen unerwünschten HOM-Wirkungen sind Sie als Therapeut oder Apotheker jemals konfrontiert worden?

In der Homöopathie gibt es sogenannte Erstreaktionen. Sie sind ein Zeichen, dass der Organismus auf den Reiz des Mittels anspricht. Das kommt aber fast ausschließlich in der sogenannten klassischen Therapie beim Arzt oder Heilpraktiker vor mit sogenannten Hochpotenzen. Der Therapeut wird Sie hierzu aufklären, dass dies keine Nebenwirkung im üblichen Sinn ist, sonders ein Zeichen, dass die Heilreaktion zu erwarten ist. Der Therapeut wird aber auch auffordern, die weitere Entwicklung zu beobachten und unverzüglich zu melden, wenn sich die Symptome noch einmal verändern. Dies sollte eigentlich bei jeder Therapie Verabredung zwischen Therapeut und Patient sein! In der Selbstmedikation kläre ich als Apotheker bzw. der Beipackzettel auf, was möglicherweise zu erwarten ist. Aber Homöopathika sind Arzneimittel und können tatsächlich individuell auch unerwünschte Wirkungen haben und gehören deshalb auch in die Apotheke.

Weitere Experteninterviews mit Wissenswertem zum Thema Homöopathie finden Sie hier. Hinweis: Die Aussagen in den Interwies geben die persönlichen Auffassungen der Gesprächspartner wieder und werden von uns im Kontext der Diskussion um und über Homöopathie zugänglich gemacht.

 

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