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Interview mit Herrn Dr. Gerlach, Facharzt für Sportmedizin

Juli 9, 2019

Dr. Gerlach ist Facharzt für Allgemeinmedizin mit den Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und manuelle Therapie, er ist zudem auch Diplomsportlehrer und war langjähriger Mannschaftsarzt beim 1. FSV Mainz 05. Dr. Gerlach ist seit 1988 niedergelassen, seit 2001 in Gemeinschaftspraxis mit Dr. Stefan Rimoldi.

Dr. Gerlach, welchen Stellenwert nimmt die Homöopathie in Ihrer Praxis ein?

Gerade für mich als Sportmediziner, der auch viel mit Leistungsportlern zu tun hat, ist es ganz wichtig, die Homöopathie im Handwerkszeug zu haben. Sie hat einen sehr hohen Stellenwert für mich, um eine nebenwirkungsarme, wirksame und in Bezug auf Dopingmittel unproblematische Therapie durchführen zu können.

Kommen die Patienten wegen der Homöopathie zu Ihnen?

Das ist mal so, mal so. Ich habe viele Patienten, die ganz gezielt in meine Praxis kommen, weil sie neben der konventionellen Medizin auch alternativen Methoden wünschen.

Lässt sich die Homöopathie gut in die Praxis integrieren?

Ja, das funktioniert gut zusammen. Beispiel virusbedingte Infektionen. Da bringt es dem Patienten nichts, wenn man ihm ein Antibiotikum aufschreibt, aber mit Homöopathie kann ich dafür sorgen, dass die Symptome deutlich und schnell gemindert werden.

Machen Sie eine konventionelle Diagnostik und ergänzen diese mit einer homöopathischen Anamnese?

Bei den Patienten, die ich schon lange kenne, muss ich nicht bei jeder akuten Erkrankung eine ausführliche Anamnese erheben, hier reicht die Befragung zur aktuellen Erkrankung. In der Sportmedizin überlappt sich die homöopathische Anamnese mit der konventionellen Anamnese. Ich differenziere nicht zwischen den Methoden, im Grunde praktiziere ich täglich eine integrierte Medizin.

Erzählen Sie uns bitte von einem ihrer größten Erfolge?

Es war ein Fußball-Bundesligaspieler, der sich in einem Spiel eine schwere Zerrung bzw. Muskelfaserriss zugezogen hatte – die Experten der Radiologie konnten sich hier nicht einigen, ob es sich radiologisch um eine Zerrung oder einen Muskelfaserriss handelte. Die Aufnahmen vom Kernspin zeigten jedenfalls eine Verletzung, die eine Genesung innerhalb von einer Woche unmöglich erschienen ließ. Klinisch imponierte die Verletzung als Muskelfaserriss. Der nächste Gegner war Bayern München, das ist schon Motivation genug, schnell wieder fit zu werden. Ich habe den Spieler mit einer homöopathischen Therapie in kürzester Zeit wieder dahin bekommen, dass er nicht nur eine Woche später das Spiel spielen konnte, sondern auch für die Zeit danach beschwerdefrei war – Dank Homöopathie und Physiotherapie. Das war für mich – mal abgesehen von Erfolgen die ich bei den Viruserkrankungen sehe – einer meiner schönsten Erfolge, den ich staunend begleitet habe.

Als Sportarzt behandeln Sie auch Spitzensportler. Wie funktioniert die Homöopathie im Leistungssport?

Die Sportler erwarten von mir die homöopathische Behandlung. Vor einigen Jahren ging der Trend noch eher dahin, sich schnell wieder fit spritzen zu lassen. Aber in den letzten Jahren hat ein guter Wandlungsprozess stattgefunden, der Sportler lässt lieber mal einen Wettkampf aus, um wieder richtig gesund zu werden. Die Homöopathie kann nachhaltig heilen.

Was raten Sie Ihren Patienten, wie sie sich gesund und fit halten?

Bewegung, Entspannung, Ernährung und Entgiftung. Diese vier Säulen machen ein gesundes Leben aus: Bewege Dich moderat, ernähre Dich ausgeglichen und vollwertig, versuche Dich immer wieder zu erholen und versuche Deinen Körper immer wieder zu entgiften, das heißt, den Fluss durch die Zellen optimieren. Dabei sollte auch viel getrunken werden. Was bei Leistungssportlern funktioniert, geht auch bei „normalen“ Menschen. Ein Leistungssportler ist sehr kritisch und gibt uns immer Rückmeldung, andere Patienten tun dies in der Regel nicht. Wenn sie gesund sind gibt es für sie keinen Grund den Arzt zu informieren.  Den Sportlern empfehle ich immer die Entgiftung am Ende der Saison, wenn der Saisonhöhepunkt hinter ihnen liegt und so die Vorbereitung für die nächste Saison bald ansteht.

Wie beurteilen Sie die Wissenschaftlichkeit der Homöopathie?

Die besten Studien für mich sind meine Erfahrungen und der Austausch mit kompetenten Kolleginnen und Kollegen, die eine ähnliche Medizin machen wie ich und sich mit mir austauschen. Ich praktiziere und da sehe ich, womit ich Erfolg habe und womit nicht.

Und bei welchen Verletzungen, Erkrankungen oder in der Vorbeugung haben Sie gute Erfahrungen mit der Homöopathie gemacht?

Bei den Verletzungen ist dies die gesamte Palette der Traumata, zum Beispiel das häufige Supinationstrauma (gewaltsame äußere Überdehnung) am Sprunggelenk oder auch Knie- und Rückenverletzungen. Sehr gute Erfahrungen habe ich auch bei Operationen mit der Homöopathie gemacht. Ich gebe immer vor und nach einer Operation Homöopathika – oftmals wundert sich der Operateur, warum es weniger blutet und keine Schwellungen zu beobachten sind. Ich kann immer wieder feststellen, Patienten, die Homöopathika eingenommen haben, sind deutlich schneller wieder auf den Beinen, als Patienten, die dies nicht getan haben.

…und in der Praxis?

Hier sind es neben den o. g. Verletzungen und Erkrankungen im Bereich des Bewegungsapparates vor allem die akuten Infektionen und Dysbiosen im Darm. Aber eben auch die ganzen Alltagserkrankungen, die ich täglich in meiner hausärztlichen Praxis behandle.

Kritiker halten Homöopathie für gefährlich, da konventionelle Therapien vernachlässigt würden – wie sehen Sie das?

Diese Aussage sehe ich als Arzt sehr, sehr kritisch! Dann müsste derjenige, der so etwas sagt, mal bei mir im Praxisalltag hospitieren. Oft kommt ja auch diese Kritik von Menschen, die noch nie einen Patienten diagnostiziert oder therapiert haben. Das sind Behauptungen, die ich nicht nachvollziehen kann und natürlich wissen wir Schulmediziner, wo wir unsere Grenzen haben und wir wissen, wie wir behandeln müssen und gehen keinerlei Risiko ein – und verschleppen gewiss keine Erkrankungen durch die Gabe von Homöopathika.

Die freie Arzt- und Therapiewahl – letztendlich den Pluralismus in der Medizin – möchten Kritiker einschränken, was sagen Sie dazu?

Das kann ich gar nicht nachvollziehen, das geht mir zu weit. Es sollte jedem, der in der Medizin ausgebildet ist, zugestanden werden, dass er seine Grenzen kennt und dass er weiß, wann, wo und wie er die Methoden der Komplementärmedizin und die der konventionellen Medizin einsetzt. Es wäre unverantwortlich, Ärzten Therapiemöglichkeiten zu nehmen, die sich über Jahre bewährt haben.

Haben Patienten ein Recht auf integrative Medizin?

Natürlich.

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