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Interview mit Mario Hopp

April 19, 2018

Die HAHNEMANNIA ist der Dachverband der homöopathischen Vereine und wurde bereits 1868 in Stuttgart gegründet. Der HAHNEMANNIA gehören heute bundesweit insgesamt über 4000 Mitglieder an, die aktuell in fast 40 Vereinen organisiert sind oder dem Verband als Einzelmitglieder angehören. Mario Hopp ist der Präsident.

Das Interview:

Herr Hopp, die Hahnemannia feiert dieses Jahr (2018) 150 Jahre Bestehen. Wenn man zurückrechnet kommt man ins Jahr 1868. Was waren die Gründe für die Initiierung der Hahnemannia?

Durch die Laien-Vereine wurde ein immenses Wissen über die Homöopathie, aber auch über Hausmittel und generelle Lebenspflege – so nannte man damals eine gesunde Lebenshaltung – vermittelt. So konnten sich die Menschen in vielen Situationen selber behandeln, damals hatte man noch sehr weite Wege bis zum nächsten Arzt. Der Erfolg der Homöopathie sprach sich herum und es entstanden immer mehr Vereine, vor allem in Sachsen und im heutigen Baden-Württemberg. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden sehr viele neue Vereine gegründet. 1913 waren es bereits 121 Vereine mit fast 13.000 Mitgliedern. Es gab neben der Hahnemannia noch weitere homöopathische Verbände in Deutschland. 1930 gab es insgesamt deutschlandweit 348 Mitgliedsvereine mit rund 40.000 Mitgliedern. Die Hahnemannia ist der noch einzige existierende Verband in Deutschland.

Welche Funktionen haben der Dachverband und die Vereine heute?

Die Bürger wünschen sich weitere Behandlungsmöglichkeiten zur konventionellen Medizin, Ziel der Hahnemannia ist es, das Wissen darüber in den Ortsvereinen zu sammeln und weiter zu geben. So können wir die Bürger in ihrem Wunsch nach einer homöopathischen Behandlung unterstützen und uns für die Verbreitung dieser Heilweise einsetzen. Die Vereine bieten Seminare und Vorträge an, auch in Kooperation mit Volkshochschulen. Die Homöopathie hat in der Bevölkerung eine sehr hohe Akzeptanz, sie ist Volksmedizin. Das sehen wir vor allem in den Ortsvereinen, in denen die Mitglieder sich sehr stark engagieren. In den 30er Jahren waren hauptsächlich die Männer in den Vereinen organisiert. Heute hingegen sind es mehr Frauen und ganze Familien. Im Schnitt kostet eine Jahresmitgliedschaft 15,- Euro, darin sind dann auch alle Vorträge enthalten.

…und wofür steht die Lebenspflege in Ihrem Vereinsnamen?

Wir vermitteln auch Wissen über eine gesunde Lebensweise, etwa wie man einen Burnout verhindert oder stressfrei Leben kann. Vorträge über traditionelle Hausmittel wie Wickel oder Umschläge, aber auch Informationen über eine gesunde Ernährung und Fasten werden angeboten. Ein wichtiger Aspekt aber ist das soziale Miteinander in den Vereinen und damit auch in den Ortschaften. Die Vereine tragen zu einem guten sozialen Leben bei und werden in den meisten Fällen auch von der Gemeinde oder dem Bürgermeister unterstützt, sodass die Veranstaltungen beispielsweise im Gemeindesaal stattfinden können. Die Homöopathie verbindet, es werden gesellige Nachmittage oder Abende organisiert und auch einmal im Jahr einen größeren Ausflug.

Was würden Sie Menschen sagen, warum sich die Mitgliedschaft in der Hahnemannia lohnt?

Es geht um die Gesundheit, unser höchstes Gut. Die Vereine regen die Hilfe zur Selbsthilfe an, man lernt, die Verantwortung seiner Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Das ist heutzutage wichtiger denn je. Die Gemeinschaft der Vereine ist sehr, sehr wichtig für die Mitglieder, auch, dass es keine Verpflichtungen zu regelmäßige Tätigkeiten gibt. Die Mitgliedsbeiträge sind sehr gering und die Mitglieder erhalten dafür hochwertige Seminare und Workshops über Homöopathie, und eine gesunde Lebensweise – alles im Beitrag inbegriffen. Zudem erhalten die Mitglieder einen Rabatt für informative, sehr gute Zeitschriften rund und um die Gesundheit.

Warum hat die Homöopathie so eine erbitterte Gegnerschaft von einer kleinen Gruppe?

Die Homöopathie wird ja schon seit 200 Jahren angegriffen, das ist im Grunde genommen heute nichts anderes. Das Grundproblem der Homöopathie sind ihre hochpotenzierten Arzneimittel und das Fehlen eines Nachweises über das Wirkprinzip. Von den Gegnern wird der falsche Rückschluss gezogen, dass damit auch kein Wirksamkeitsnachweis erbracht ist. Das ist aber falsch. Der vieltausendfache, weltweite erfolgreiche Einsatz und die vielen inzwischen verfügbaren klinischen Studien zur Homöopathie belegen das eindeutig. Zudem gibt es in der Medizin viele Bereiche und Stoffe, wie z.B. Narkosemittel, zu denen es noch längst keine abgesicherte Erkenntnis zum Wirkmodell gibt. Medizin ist eine praxisorientierte Erfahrungswissenschaft.

…diese Gegner werfen homöopathischen Ärzten „Betrug am Patienten“ vor – fühlen Sie sich als Patient betrogen?

Nein, ich fühle mich von meinem homöopathischen Arzt ernstgenommen, gut aufgenommen. Allein schon das Erstgespräch, die Anamnese, ist sehr zeitintensiv und ermöglicht, ein vertrautes Arzt-Patientenverhältnis aufzubauen und das individuell passende homöopathische Mittel zu verordnen. Ich werde von meinem homöopathischen Arzt darin unterstützt, meine Gesundheit aktiv mitzugestalten. Wer hier vom „Betrug am Patienten“ spricht, verkennt den Sachverhalt.

Wie sieht für Sie die Medizin der Zukunft aus?

Auf jeden Fall wird es eine integrierte Medizin sein müssen, mit den Vorteilen der konventionellen Medizin, der Homöopathie aber auch zum Beispiel mit Kneipp, Hausmitteln und vielen weiteren ganzheitlichen Ansätzen. Wir werden in Zukunft immer mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen haben, die chronischen Krankheiten breiten sich aus und die Menschen werden älter und haben viele Gebrechen gleichzeitig – alles Bereiche, in den die konventionelle Medizin an ihre Grenzen stößt. Hier können die Homöopathie, aber auch andere ganzheitliche Verfahren helfen.

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