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Interview mit Thomas Bonath

Januar 30, 2019

Herr Bonath, bitte stellen Sie sich uns vor.

Herr Bonath: Ich bin als klassisch homöopathisch tätiger Arzt und Psychotherapeut in Karlsruhe niedergelassen. Ein Schwerpunkt ist neben der ärztlich-psychotherapeutischen Tätigkeit bei klassischen Erkrankungen wie Depression oder Ängsten die Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern, bei denen ADHS vermutet wird. Auch zu diesem Bereich habe ich zahlreiche Artikel und Bücher veröffentlicht und gebe meine Erfahrungen auch regelmäßig bei Fortbildungsveranstaltungen für Therapeuten und Patienten weiter.

Wie hoch ist der Homöopathie-Anteil in Ihrer Praxis?

Herr Bonath: Ich kombiniere in fast allen Fällen Homöopathie und Psychotherapie aus folgenden Erfahrungen: In den meisten Fällen hat der Kopf schon viel verstanden, das „Herz“ hängt aber noch in den alten Überzeugungen; die Homöopathie beschleunigt die Bahnung zwischen Kopf und Herz. Mit anderen Worten, die Psychotherapie zeigt den Weg, die Homöopathie gibt die Kraft für die Veränderung.

Wie kamen Sie zur Homöopathie?

Herr Bonath: Der Weg zur Homöopathie führte mich über die medizinische Forschung. Ich arbeitete viele Jahre als Forschungsleiter mit dem Ziel, Ärzten und Patienten solide Grundlagen für die Praxis zur Verfügung zu stellen. Schon während des Medizinstudiums interessierte mich die Pharmakologie, so dass ich nach meiner Praxiszeit mit großer Begeisterung in die klinische Forschung einstieg. Mein Ziel war es, gute Instrumentarien für Ärzte und Patienten durch Studien zu entwickeln.

Und dann kamen Zweifel auf?

Herr Bonath: Genau, denn der Ansatz einer klinischen Studie ist der, dass in der Regel die Wirkung von Medikamenten in zwei Patientengruppen verglichen wird, weder Arzt noch Patienten wissen, wer einen Wirkstoff bekommt und wer nur ein Scheinmedikament. Und hier geschieht dann häufig etwas Seltsames: Untersucht man etwa ein blutdrucksenkendes Medikament haben häufig 55 – 65 Prozent der Patienten mit dem echten Medikament eine ausreichende Blutdrucksenkung, ebenso 40 – 50 Prozent der Patienten mit dem Scheinmedikament! Der therapeutische Vorteil ist also nur für 10 – 15 Prozent der Patienten unter dem Medikament gegeben, oft aber zum Preis erheblicher Nebenwirkungen. Leider lässt sich nur bedingt oder gar nicht vorhersagen, wer von den Patienten einen Nutzen hat und wer welche Nebenwirkungen bekommt.

Was war Ihre Konsequenz?

Herr Bonath: Ich suchte eine Therapieform, die den Patienten in den Fokus der Behandlung stellt und nicht die Krankheit. Bei mir war das die Homöopathie! Als Wissenschaftler war ich zunächst von dieser individualisierenden Methode sehr befremdet. Wir lernten in der Homöopathie-Ausbildung, dass wir in der Fallaufnahme nach  persönlichen Dingen fragen mussten, wie Vorlieben beim Essen oder dem Schlafverhalten, dem individuellen Erleben von Schmerz, oder ob der Schnupfen mit fließendem Sekret verbunden ist oder die Nase verstopft ist.

Eine derartige Unterscheidung hatte ich bis dahin weder in der Praxis noch in der Forschung vorgenommen. In der Homöopathie werden aber die Medikamente danach bestimmt. Was mich aber motivierte, waren die Erfahrungen der so behandelten Patienten, die sowohl bei akuten als auch chronischen Behandlungen von guten Heilverläufen berichteten. Hinzu kamen dann die Erfahrungen in meinem eigenen Umfeld, bei meinen Kindern, meiner Frau und schließlich bei mir selbst. Meinen massiven Heuschnupfen, der mir oft den ganzen Sommer zur Qual machte, bin ich durch die Homöopathie losgeworden.

Wie beurteilen Sie die Forschungslage in der Homöopathie?

Herr Bonath: Die Wirksamkeit der Homöopathie ist durch viele Studien gut belegt. Nur wer die Studienlage selektiv wahrnimmt, kann zu einem anderen Ergebnis kommen. Meine Kritik an den Aussagen der Kritiker ist, dass sie die Doppelblind-Studien als einzig gültigen wissenschaftlichen Maßstab setzen. Ich habe 10 Jahre diese Art von Studien durchgeführt und kam zu der Erkenntnis, dass die Aussagekraft dieser Studienmethode sehr begrenzt ist. Der Mensch ist ein viel zu komplexes System und immer wieder ganz persönlichen Einflüssen ausgesetzt, so dass sich mit Doppelblind-Studien nur sehr wenig über den Nutzen des getesteten Medikaments  für den einzelnen Patienten aussagen lässt.

Was macht die Homöopathie in der Praxis erfolgreich?

Herr Bonath: Aus meiner Sicht ist die Voraussetzung für Erfolge in der Praxis  eine gute, intensive und gründliche Ausbildung, die eine so komplexe Methode wie die Homöopathie erfordert. Aber auch die klassische medizinische Ausbildung ist wichtig. So gut wie alle homöopathischen Ärzte sind Fachärzte, die außerdem eine bis zu dreijährige Weiterbildung Homöopathie absolviert haben.

Was sind Ihrer Meinung nach die Vorteile der Homöopathie?

Herr Bonath: Die Homöopathie ist sicher und wirksam, vor allen Dingen ist sie eine Methode ohne unerwünschte Wechselwirkungen. Ich kann die Homöopathie bei Bedarf sehr gut mit der konventionellen Medizin kombinieren. Die Wirksamkeit der homöopathischen Arzneien ist häufig sehr nachhaltig und nicht nur eine Symptommilderung für ein paar Stunden.

Können Sie auf die klassische Schulmedizin verzichten?

Herr Bonath: Nein, auf keinen Fall, ich bin ausgebildeter Mediziner und habe sowohl mit der Psychotherapie als auch mit der Homöopathie zusätzliche Handlungsoptionen. Die Medizin ist schon immer ein Miteinander, kein Gegeneinander. Je nach Situation braucht der Internist den Chirurgen, der Chirurg den Neurologen usw. und die konventionelle Medizin braucht die Komplementärmedizin – in der integrativen Medizin liegt die Zukunft!

Können Sie uns ein Beispiel geben?

Herr Bonath: Nun, eine Patientin, Polizistin in einer sehr verantwortungsvollen und belastenden Position, gleichzeitig noch Mutter mehrerer Kinder kam mit den kombinierten und vielfältigen Belastungen so unter Druck, dass sie zunächst massive Burnout-Symptome entwickelt, die schließlich in einer schweren Depression mündeten. Zur Stabilisierung und Symptomlinderung benötigte sie zunächst Antidepressiva, die aber natürlich keine dauerhafte Lösung für ihre Situation darstellten. Aber sie wurde dadurch soweit stabilisiert, dass sie sich zunächst Hilfe in einer Klinik suchen konnte und danach eine ambulante Psychotherapie fortführte. Obwohl sie viele Veränderungen und Neuregulationen in Ihrem Leben durchführte, kam es immer wieder zu depressiven Rückfällen, die mit einer tiefen Verzweiflung verbunden waren: durch das Gefühl, „du kannst machen was du willst, gegen die Krankheit hast du keine Chance.“ Mit einer homöopathischen Behandlung und in Ergänzung Mikronährstoffen konnte sie sich so stabilisieren und Energie gewinnen, dass sie ihren Beruf wieder ausübt und in ihrem privaten Bereich deutlich glücklicher und ausgeglichener ist. Sie brachte es einmal auf den Punkt: „Wissen Sie, auch mit der Homöopathie bleiben die Probleme dieselben … aber ich gehe anders mit ihnen um!“

 

 

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