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Kompetenznetzwerk Integrative Medizin

April 11, 2018

In Baden-Württemberg arbeiten künftig zehn renommierte Kliniken interdisziplinär zusammen. Das Kompetenznetzwerk Integrative Medizin ist ein Pionier, weil es komplementäre Ansätze wie die Homöopathie mit der modernen konventionellen Medizin verzahnt.

 

Unter den Mitgliedern des Kompetenznetzwerks befinden sich unter anderem die Universitätskliniken in Mannheim und Ulm, das Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus sowie Kliniken mit ganzheitlichen Therapieansätzen wie die Filderklinik in Filderstadt, das Paracelsus Krankenhaus Bad Liebenzell und das Klinikum Heidenheim. Schirmherrin des Netzwerks ist die baden-württembergische Staatssekretärin Bärbl Mielich.

Integrative Medizin gehört zum medizinischen Alltag

Früher wurden Homöopathie und Naturheilverfahren als alternative Medizin bezeichnet. Der modernere Begriff „komplementäre“ Medizin ist jedoch ungleich treffender, da es niemals um ein „Entweder-Oder“ gehen sollte, sondern um ein sinnvolles Miteinander verschiedener Therapiemöglichkeiten (komplementär = ergänzend). Das Modell, in dem sich komplementäre und konventionelle Medizin bestmöglich ergänzen, heißt integrative Medizin. Für ausgebildete homöopathische Ärzte ist dieser Ansatz längst selbstverständlich, da sie Homöopathie Hand in Hand mit der modernen konventionellen Medizin praktizieren.

Ein bekanntes Beispiel für integrative Medizin ist die Belegklinik in Heidenheim. An der Grenze zu Bayern gelegen, besteht diese Klinik seit nunmehr fast 70 Jahren. Homöopathie ist als selbstverständlicher Teil in die Strukturen der Klinik Heidenheim eingebunden. Durch den intensiven Austausch von Ärzten und Pflegern spielen die klassischen Grenzen von Schul- und Komplementärmedizin keine Rolle. Wenig verwunderlich, dass ihr Leiter Andreas Laubersheimer zu den Gründungsmitgliedern des neuen Netzwerkes gehört. Er führt die Belegklinik nicht nur seit vielen Jahren erfolgreich. Laubersheimer gilt auch als wichtiger homöopathischer Vertreter der integrativen Medizin.

Netzwerk will Austausch fördern

Der Stellenwert der integrativen Medizin in Deutschland wird eindrucksvoll durch Zahlen belegt. Nach Angaben aus dem Netzwerk wandten mehr als 40 Prozent der Fachärzte 2017 regelmäßig integrative Verfahren an. Sie unterstützten also konventionelle Therapien mit ergänzenden Behandlungsmethoden. Deshalb ist es erklärtes Ziel des neuen Netzwerkes, dass der Austausch zwischen komplementärer und konventioneller Medizin verbessert wird. Das gilt auch für den forschenden Bereich, sind doch die beiden Universitätskliniken Mannheim und Heidelberg mit an Bord.

Integrative Onkologie und integrative Behandlung von Infektionen

Das Netzwerk begann seine Arbeit im Bereich der Krebsbehandlung. Der Onkologe Prof. Dr. Martin Bentz vom städtischen Klinikum Karlsruhe berichtete anlässlich der Gründung, dass dort die Nachfrage besonders groß sei. Ziele können unter anderem sein, mit Komplementärmedizin die Nebenwirkungen der Chemotherapie zu lindern, ihnen vorzubeugen oder aktuelle Beschwerden zu behandeln. Für den Patienten soll dies die Lebensqualität und im besten Fall die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern.

Für 2019 ist außerdem eine Arbeitsgruppe zur integrativen Behandlung von Infektionen geplant. Die Zahl von Antibiotika-Resistenzen stieg in den letzten Jahren bekanntlich deutlich an.

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