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Was tun bei Reiseübelkeit?

Juli 18, 2019

Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen: Für viele Menschen ist der Weg zum Urlaubsziel eine wahre Tortur. Sie leiden im Auto, Flugzeug oder auf dem Schiff an Reiseübelkeit. Neben Erwachsenen sind Kinder besonders häufig betroffen. Hier erfahren Sie, wodurch die Kinetose, so der Fachbegriff, eigentlich ausgelöst wird, wie Sie Abhilfe schaffen können und was vorbeugend hilft.

Jeder Dritte ist betroffen

Die Reise ist gebucht, die Koffer sind gepackt. Einem erholsamen Urlaub steht nichts mehr im Wege. Wäre da nicht die Übelkeit, die viele Menschen regelmäßig bei Auto-, Flug- oder Schiffsreisen überkommt. Studien zufolge ist jeder dritte Deutsche betroffen, bei fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung treten sehr heftige Symptome bis hin zum Erbrechen auf.

Zur Risikogruppe zählen besonders Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren. Unter den Erwachsenen leiden Frauen deutlich häufiger unter Reisekrankheit als Männer. Laut Medizinern spielt dabei der Hormonhaushalt eine wichtige Rolle. So können sich die Symptome etwa während der Periode oder einer Schwangerschaft verschlimmern. Die gute Nachricht: Wer versteht, wie es zur Reisekrankheit kommt, kann mit sanften Mitteln gegensteuern und im besten Fall die Fahrt in den Urlaub völlig ohne Symptome genießen.

Wie entsteht Reiseübelkeit?

Doch warum wird so vielen Menschen auf Reisen übel? Schuld daran sind widersprüchliche Informationen, die unseren Gleichgewichtssinn völlig aus dem Takt bringen. Während einer Reise mit dem Auto, Schiff oder Flugzeug bewegen wir uns deutlich schneller, als wir es zu Fuß je könnten. So leitet sich auch der Fachbegriff Kinetose vom griechischen „kinein“ (bewegen) ab.
Die Augen und das Gleichgewichtsorgan im Innenohr nehmen diese Bewegungen wahr und melden sie an das Gehirn. Gleichzeitig sitzen wir aber fest in unserem Sitz oder stehen etwa auf dem Schiff an Deck. Auch diese scheinbare Bewegungslosigkeit wird über die Nervenbahnen an unser Gehirn geleitet. Durch den ständigen Informationskonflikt entstehen Fehlsignale im Hirnstamm, die dann die typischen Symptome auslösen.

Reisekrankheit ist also kein Problem des Magen-Darm-Trakts, sondern eher eine Kopfsache. Betroffene reagieren zunächst mit Schwindel, leichten Kopfschmerzen, Müdigkeit und übermäßigem Gähnen. Es folgen kalte Schweißausbrüche, vermehrter Speichelfluss, Übelkeit und schlimmstenfalls Erbrechen.

Die besten Tipps gegen Reisekrankheit

  1. Den richtigen Sitzplatz wählen. Im Auto oder Bus sollten Sie möglichst so sitzen, dass Sie in Fahrtrichtung blicken können. Konzentrieren Sie sich auf einen festen Punkt am Horizont. Das reduziert die Fehlreize. Im Flugzeug buchen Sie am besten Plätze nahe bei den Tragflächen. Dort sind die auslösenden Flugbewegungen am geringsten. Um Seekrankheit vorzubeugen, ist eine Kabine möglichst in der Mitte ideal. Hier schwankt das Schiff am wenigsten.
  2. An geeigneten Proviant denken. Reisen Sie nie mit nüchternem Magen. Achten Sie schon am Abend vor der Reise auf leichte Kost, die den Magen nicht belastet und packen Sie etwas Obst oder ein belegtes Vollkornbrot ins Handgepäck. Besonders gut sind Kiwis. Sie enthalten viel Vitamin C, das laut Untersuchungen des Schifffahrtmedizinischen Instituts der Marine gegen Reisekrankheit helfen soll. Trinken Sie zudem ausreichend und verzichten Sie auf Alkohol und möglichst auch auf Zigaretten.
  3. Ablenkung kann Wunder wirken. Je mehr Sie sich auf die Fahrzeugbewegungen konzentrieren, umso stärker werden die Symptome. Deshalb hören Sie zur Ablenkung z.B. Musik. Sie lenkt das Gehirn von den Fehlreizen ab und die Übelkeit verringert sich.
  4. Aufs Lesen besser verzichten. Den Lieblingsroman sollten Sie sich dagegen besser fürs Urlaubsziel aufheben. Denn der starre Blick ins Buch löst mehr Bewegungskonflikte im Gehirn aus und schon steht einem wieder der kalte Schweiß auf der Stirn.
  5. Die Atmung im Blick behalten. Merken Sie, dass Ihnen von der Bewegung des Fahrzeugs übel wird, atmen Sie bewusst langsam und machen Sie vor dem Ausatmen eine kleine Pause.
  6. Sanften Druck ausüben. Ein spezieller Akupressurpunkt kann bei Kinetose Linderung verschaffen. Drücken Sie dazu etwa eine Minute lang an der Innenseite des Unterarms zwei Daumenbreiten über der Handgelenksbeugefalte mit den Fingern der anderen Hand. Dann die Seiten wechseln. Auch kann es helfen, die Ohrmuscheln leicht mit den Fingern zu kneten.
  7. Regelmäßige Pausen einlegen. Sind Sie mit dem Auto unterwegs, gönnen Sie sich etwa alle ein bis zwei Stunden eine kurze Pause von mindestens fünf Minuten. Mit Bewegung an der frischen Luft lässt sich aufkommende Übelkeit vertreiben und die weitere Reise wird deutlich entspannter. Auch gegen Seekrankheit hilft ein Spaziergang an Deck. Durch die eigene Bewegung muss das Gehirn mit weniger Fehlreizen zurechtkommen.
  8. Augen zu und durch. Vielen Betroffenen hilft es schon, die Augen zu schließen. So können sie keine falschen Informationen mehr an den Gleichgewichtssinn melden. Glücklich ist, wer auf Reisen jederzeit schlafen kann. Für alle anderen gibt es in der Apotheke z.B. pflanzliche oder homöopathische Mittel, die ein Nickerchen ermöglichen können.

Präparate gegen Reiseübelkeit

Nicht zuletzt gibt es arzneiliche Hilfe, um eine Reise trotz Kinetose entspannt zu überstehen. So kann Homöopathie sanft und sehr verträglich helfen, die Reisekrankheit zu mildern, besonders bei Beschwerden mit Übelkeit. Am praktischsten für unterwegs sind Globuli, die man einfach unter der Zunge zergehen lässt. Ihr Apotheker berät sie zu geeigneten Präparaten.

In der pflanzlichen Medizin wird häufig Ingwer eingesetzt: Das Kauen von Ingwerscheiben oder das Trinken von Ingwertee lindert die Übelkeit. Darüber hinaus existieren pflanzliche Mittel mit Wirkstoffen des Ingwers, z.B. sogar als Lutscher für Kinder. Ihr Apotheker berät sie gern.

Auch die Schulmedizin hält Präparate mit chemisch definierten Wirkstoffen gegen Reiseübelkeit bereit, z.B. in Form von Kaugummis oder Tabletten. Auch hier hilft der Apotheker.

Auch Vorbeugung hilft

Die Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Bewegungsreize in Auto, Flugzeug, Schiff oder Bahn. Und jeder Mensch hat es auch zu einem gewissen Grad selbst in der Hand, wie anfällig er für eine Kinetose ist. Studien (Universität Magdeburg) haben gezeigt, dass regelmäßiges Tanzen den Gleichgewichtssinn erheblich verbessern kann. Vor allem der Walzer mit seinen häufigen Drehungen gilt als ideale Vorbeugung gegen Seekrankheit.

Auch regelmäßiges Springen auf dem Trampolin oder Schaukeln helfen dem Körper, Bewegungsreize leichter zu verarbeiten. Sogar Achterbahn fahren kann helfen. Hier sind die auf das Gleichgewichtsorgan wirkenden Kräfte um ein Vielfaches höher als in normalen Fahrzeugen. So lässt sich der Körper quasi abhärten und wird im besten Fall immun gegen die Beschleunigungskräfte.

Doch Achtung, gehen Sie es langsam an. Tritt dabei Übelkeit auf, sollten Sie natürlich erst mal eine Pause einlegen. Haben Sie jedoch eine Fahrt gut vertragen, darf es für den optimalen Trainingseffekt durchaus noch eine zweite Runde sein.

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